Thomas Kiechle bei einem Spaziergang im schönen Allgäu

Prägende Erinnerungen

Das, was man früh erlebt, prägt einen. Das, was man später dazu lernt, ebenso. Aus meinen persönlichen biographischen Erinnerungen können Sie sich ein Bild davon machen, was mich geprägt hat und an welche Erfahrungen ich besonders zurückdenke.

Kindergarten St. Anna in Lenzfried

Wenn es nun auch über 45 Jahre her ist, so sind mir insbesondere die Armen Schulschwestern in Erinnerung geblieben, die sich redlich um uns kümmerten, und natürlich Schwester Dietlinde, die Kindergartenleiterin. In Rollen als Wettermännchen und als Fuchs machte ich dort meine ersten Theatererfahrungen.

Diese Zeit band mich früh und eng an die Pfarrgemeinde Lenzfried, in dessen Pfarrgemeinderat ich später 12 Jahre Mitglied und davon 8 Jahre Vorsitzender war.

Grundschulzeit (1973 – 1977)

Aus der Zeit als Erst- und Zweitklässler in der Konrad-Adenauer-Grundschule in Lenzfried haben sich bis heute Freundschaften erhalten.

Die 3. und 4. Klasse absolvierte ich in Leubas. An die dortige Hausmeisterin erinnere ich mich gut – wir sind ihr immer um den Hals gefallen, weil sie uns mit Gummibärchen versorgte.

Mit der Sanierung und Erweiterung der Schule in Lenzfried wurde dann die Grundschul-Außenstelle in Leubas geschlossen. Aber heute gibt es in Leubas wieder eine neu gegründete Grundschule, die Josef-Kentenich-Schule, was mich persönlich freut, denn ich habe die Ansiedelung und Gründung der Schule dort unterstützt.

Ministrant ab der 3. Klasse

Ein sehr positives Bild von gelebter Kirche vermittelte mir Pfarrer Anton Vogler, mit dem wir damals sehr viel unternommen haben. Ich erinnere mich gern an Ausflüge mit dem Zelt in die Schweiz oder nach Italien. Zum Kloster Lenzfried hatte ich bald engen Kontakt: Das Ministrieren bei Hochzeiten und Beerdigungen als „Klosterministrant“ machte nicht nur Freude, sondern wurde auch besonders gut bezahlt.

Carl-von-Linde-Gymnasium (1977 – 1987)

Die Gymnasialzeit am „CvL“ war für mich eine sehr prägende Zeit. Dort gab es noch etliche Lehrer der „alten Schule“: streng, autoritär und dennoch menschlich zugänglich. Gerade im Latein- und vor allem im Griechisch-Unterricht habe ich viel über unser Rechtssystem, die Philosophie des Abendlandes und unser Staatssystem – die Demokratie – gelernt. Es war eine Zeit, in der wir viel über Staat und Religion diskutiert haben, und an die ich gerne zurückdenke.

Bis heute treffe ich mich mit Klassenkameradinnen und -kameraden von damals, die mittlerweile über viele Länder verstreut leben. Es gibt Freundschaften, die bis heute andauern. Auch meine Frau habe ich bereits in der Schule kennengelernt.

In diese Zeit fiel auch die Berufung meines Vaters zum Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das hat mich nachhaltig geprägt und mein Interesse für Politik schon früh geweckt.

Wehrdienst (1988 – 1989)

Meinen 15-monatigen Wehrdienst leistete ich beim Gebirgssanitätsbataillon 8 in Kempten und konnte dabei auch etwas meine Allgäuer Heimatverbundenheit „ausleben“: Als Gebirgssanitäter unternahm ich viele Bergtouren, z. B. auf die Zugspitze.

Studium (1989 – 1992)

An der Universität Augsburg studierte ich Lehramt an Hauptschulen und assistierte zwei Jahre als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Arbeitslehre. Meine Hauptfächer waren Katholische Theologie, Deutsch, Arbeitslehre und Musik. Schwerpunkte in dieser Zeit waren Fragen rund um die Berufswahl und die Berufsorientierung.

Auch wenn ich in Augsburg die erste Hälfte meines Studiums im Studentenwohnheim und danach privat wohnte, führte meine Verbundenheit zum Musikverein Lenzfried in Kempten damals dazu, dass ich donnerstags Abend immer wieder mal für zwei Stunden zur Probe nach Hause fuhr.

Lehrer an der Mittelschule bei der Hofmühle

Nach dem 1. Staatsexamen 1992 war ich ab 1993 Referendar an der Mittelschule bei der Hofmühle in Kempten und legte dort 1995 das 2. Staatsexamen ab. Zunächst unterrichtete ich als Klassleiter Schülerinnen und Schüler in den Klassen 7 – 9. Danach war ich 15 Jahre für die freiwillige 10. Klasse, die zum Mittleren Bildungsabschluss führt, verantwortlich.

Die Arbeit als Lehrer machte mir viel Freude, weil in meinem damaligen Beruf fachliche Kompetenz, menschliche Qualitäten und eine natürliche Autorität gefragt sind.

Schülerinnen und Schülern in der Übergangszeit von der spielerischen Jugend in das Berufsleben in schwierigen Situationen helfen zu können, ihnen ein Stück weit Halt oder Orientierung zu geben – das war für mich besonders erfüllend an diesem Beruf, der natürlich auch fordernd war. Ich freue mich immer sehr, wenn ich ehemaligen Schülerinnen und Schülern begegne.

Meine Aktivitäten und Interessen

  • Geprägt hat mich als „noch junger“ Erwachsener auch die Zeit im Pfarrgemeinderat Lenzfried. Dort war ich zwölf Jahre Mitglied, acht Jahre davon als Vorsitzender.
  • Ich leitete bis 2014 die bayerische Delegation des Internationalen Kolloquium Berufswahlvorbereitung. Dieses war ein informeller Zusammenschluss von rund 25 Bildungsfachleuten (Berufsberatung, Agentur für Arbeit, Lehrer, Lehrende an Universitäten, Leute, die sich konzeptionell mit Bildungsinhalten befassen) aus dem deutschsprachigen Raum (Österreich, Schweiz, Südtirol, Bayern).
  • Beim Musikverein Lenzfried war ich über 30 Jahren aktives Mitglied und spielte leidenschaftlich Flügelhorn. Dort durfte ich erfahren, dass Musik verbindet, Freude bereitet und Freundschaften im Ort und weit darüber hinaus schafft.
  • Des weiteren bin ich im Verein ehemaliger Ministranten der Pfarrei Lenzfried seit 25 Jahren Präsident. Hier bestehen Freundschaften, die sich von Jugend an erhalten haben und die ich nicht missen möchte. Zudem bin ich Vorsitzender des Fördervereins St. Magnus zur Unterstützung eines aktiven kirchlichen Lebens in Kempten – Lenzfried.
  • Entspannung finde ich bei Fahrradtouren und Wanderungen in meiner Allgäuer Heimat. Ebenso empfinde ich es als Lebensqualität, Obst oder Gemüse im Garten anzubauen oder Eier aus den Nestern unserer acht freiheitsliebenden Hühner zu holen.
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